Horizonte-Filmpreis geht an KINDER UNTER DECK

Preisverleihung und Filmgespräch erstmals in der Evangelischen Akademie in Tutzing

Der Horizonte-Filmpreis geht in diesem Jahr an den Film KINDER UNTER DECK von Bettina Henkel. Erstmals wurde die mit 2000 Euro dotierte Auszeichnung in der Evangelischen Akademie in Tutzing verliehen, die auch Kooperationspartner des Fünf Seen Filmfestivals ist. "Kino ist Bildung, weil Kino Fragen in den Mittelpunkt, die uns und unser Leben betreffen", sagte Akademieleiter Udo Hahn bei der Preisverleihung am Donnerstagabend (13.9.).

"KINDER UNTER DECK ist ein Film über Flucht und Vertreibung, und darüber, wie die damit verbundenen Traumata über Generationen weitergegeben werden. Eine junge Frau begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit und erzählt ihre sehr persönliche, deutsch-baltische Familiengeschichte, deren universelle und hochaktuelle Themen jedoch weit darüber hinaus weisen: Was ist Heimat, und was bedeutet es, diese zu verlieren? Mit einfachsten Mitteln und vor allem durch die große Nähe zu seinen Protagonisten erzeugt KINDER UNTER DECK eine große Intensität, die nachhaltig bewegt", hieß es in der Begründung der Jury, die Jury-Mitglied und Mediengestalterin Angelika Mrozek-Abraham verlas. Außerdem regte die Jury an, den Film in das Programm der Bundeszentrale für politische Bildung aufnehmen zu lassen, damit ihn auch Schüler zu sehen bekommen.

Festivalleiter Matthias Helwig: "Es freut mich sehr, dass KINDER UNTER DECK ausgezeichnet wurde, weil gerade dieser Film besonders gut zu unserem Festivalmotto "Zeit" passt. Ich denke, es wurde damit von der Jury ein Film ausgewählt, der eigentlich jeden in Deutschland anspricht, der zur zweiten Nachkriegsgeneration gehört. Das Werk von Bettina Henkel leistet zu diesem Thema einen wichtigen Beitrag."

In welcher Welt befinden wir uns? Wie können wir sie verbessern? Wo Hoffnung finden? Das sind die Themen des Horizonte-Wettbewerbs des Fünf Seen Filmfestivals gepaart mit den philosophischen Fragen nach dem Sein. Erstmals öffnete die Evangelische Akademie in Tutzing ihre Pforten für das Fünf Seen Filmfestival, in diesem Jahr für die Verleihung des Horizonte- Filmpreises, der auch von der Evangelischen Akademie gestiftet wird (13.9.) . Zu verdanken ist das Preisgeld dem Sponsor Bruderhilfe - Versicherer im Raum der Kirchen, der die Akademie unterstützt.
Die Akademie ist mit Festivalleiter Matthias Helwig in einem weiteren Projekt verbunden: dem "Film des Monats", der an jedem ersten Mittwoch eines Monats im Kino Breitwand Starnberg gezeigt und im Anschluss analysiert wird.

Nach der Preisverleihung sprach der profilierte BR-Kulturjournalist Moritz Holfelder mit Ehrengast Bettina Böhler, der Meisterin des Filmschnitts, über "Am Herzschlag des Films, der Schnitt als Rhythmusgeber". Anhand von drei Filmausschnitten aus der Arbeit von Bettina Böhler wurde über das Editieren von Filmmaterial diskutiert. Wie wird es zusammengefügt? Was wird weggelassen und aus welchem Grund? Was ist nötig für Dramatik und Aussage des Films?

Insgesamt waren in der Reihe Horizonte neun Filme zu sehen: Vergangenheit, Herkunft, aber auch Vergänglichkeit und der Tod wurden in drei Filmen als Thema aufgenommen: "Copy, Paste, Delete", "Das Leben vor dem Tod" und "Kinder unter Deck. Unsere nächste Umwelt, die Flüchtlingspolitik, die Konsequenz aus dem hemmungslos herrschenden Kapitalismus mitsamt seiner Forderung an die Genetik beschäftigten die Filmemacher in "Bittere Ernte", "Dark Eden", "Genesis 2.0" und "Willkommen in der Schweiz". Einen positiven Gegenentwurf fand Fernand Melgar "In der Philosophenschule", einer Einrichtung für behinderte Kinder. Da ging es um den Menschen und seine großartigen Fähigkeiten.

Bettina Böhler gilt als Meisterin der Montage (Katja Nicodemus in "Die Zeit"), als große Unsichtbare des deutschen Kinos. Jüngst hat sie Christian Petzolds wunderbaren Film "Transit" geschnitten. Seit weit mehr als 30 Jahren montiert Bettina Böhler Filme. "Der Begriff Cutter entstand nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland. Vorher hießen wir Schnittmeister", sagte Böhler. Ein Cutter sei eigentlich ein Teppichmesser. "Mit dem habe ich nie gearbeitet. Wir zertrennen das Material nicht, sondern fügen es zusammen. Unsere Arbeit ist Montage." Als Filmeditorin war Böhler auch für Nicolette Krebitz, Oskar Roehler, Margarethe von Trotta, Najwa Najjar, Angelina Maccarone, Thomas Arslan, und Susanna Salonen tätig. Im Jahr 2000 wurde sie mit dem deutschen Schnittpreis ausgezeichnet, 2007 mit dem Bremer Filmpreis und Femina Filmpreis sowie 2012 mit dem Preis der Deutschen Filmkritik. "Bei Böhler ist der Cut kein Schnitt, sondern die Herstellung einer Beziehung", schreibt "Die Zeit"-Redakteurin Katja Nicodemus.

Hauptpartner des fsff sind die Bayerische Staatskanzlei, FFF Bayern, die Stadt Starnberg, der Bezirk Oberbayern, das Landratsamt Starnberg, die Kreissparkasse und das Kino Breitwand. Die Hauptmedienpartner sind BR, B2 und SZ, Medienpartner der Kreisbote, Blickpunkt Film, Arteschock und Seemagazin.

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