Es geht immer noch schlimmer. Das ist die einzige Regel, auf die Marie (Charlotte Aubin) sich verlassen kann bei ihren Versuchen, temporäre Mitbewohner:innen für ihre Mietwohnung in Brooklyn zu rekrutieren. Die Unterkunft, die sie anbietet, ist mit 47 Dollar pro Nacht für New Yorker Verhältnisse zwar unschlagbar günstig – aber dafür regnet es in die Küche, und die Bude ist derart eng, dass man sich in ihr nicht einmal ansatzweise aus dem Weg gehen kann.
Das Spektrum der Ärgernisse, mit denen Marie sich dank ihrer Roommates herumschlagen muss, reicht von nicht aufgeräumten Turnschuhen im Flur bis zu Urinpfützen neben der Toilette. Absprachen werden grundsätzlich nicht eingehalten, rote Linien überschritten, und wenn einer ausnahmsweise kein Schmutzfink ist, dann entpuppt er sich mit Sicherheit als nervtötender Sauberkeitsfanatiker.
Petschnigs Film basiert auf Selbsterlebtem – wie Marie kann sich auch die Regisseurin ein Leben in New York als freie Künstlerin nur leisten, weil sie in ihrer ohnehin schon winzigen Wohnung Untermieter:innen aufnimmt. Ihre Erfahrungen transformiert sie in eine rabenschwarze Konzeptkomödie, die immer wieder in einen klaustrophobischen Horrorfilm kippt. Der Mensch ist ein soziales Wesen, sagt man. Aber vielleicht heißt das nur, dass er immer wieder neue Wege findet, seinen Mitmenschen – und letzten Endes auch sich selbst – das Leben zur Hölle zu machen. (Lukas Foerster)