Jelena Ilićs Vater wurde wegen schwerer Körperverletzung verurteilt und verbringt viele Jahre in der forensischen Psychiatrie. Schippenweise Schutt birgt die Regisseurin aus seiner Wohnung; darunter seine künstlerisch inszenierten Selbstportraits. Dieses Bild zieht sich durch den gesamten Film, der nicht nur viel Persönliches aufarbeitet, sondern auch ein psychologisch reifer, vor kreativen Einfällen sprudelnder Debütfilm ist: Es geht um umgekehrte Eltern-Kind-Rollen, um die Poesie im Chaos und das Durchdringen (zu) einer Krankheit.
Ilić transportiert die gestörte Welt ihres psychotisch kranken Vaters durch die gemeinsamen und von ihr animierten Zeichnungen: Bis heute teilen sich die beiden ein Comicbuch, dessen Seiten sie abwechselnd mit Zeichnungen füllen. »Andere haben gemeinsame Abendessen, und wir haben unser gemeinsames Buch«, sagt Ilić selbstbewusst, aber nicht ohne einen melancholischen Unterton. Der Impuls, das Erlebte mit Kunst zu kommunizieren, verweist deutlich auf diese schon in der Kindheit aufgesaugte bildliche Form der Kommunikation. Aber diese Ausflüge in eine andere Ebene und die damit einhergehende Situationskomik bereichern das Genre des autobiografischen Dokumentarfilms – eine in den letzten Jahren stark verbreitete Sujetwahl bei jungen Filmemacher*innen – auf vielschichtige Weise. Der Film besticht durch seinen erfrischend punkigen Unterton. Die expressionistische Malerei des Vaters, angesiedelt irgendwo zwischen Art brut und Neue Wilde, prägt nämlich auch die ästhetische Heimat der Tochter, die der cleanen digitalen Welt eine gute Portion trotzigen post-post-Grunge-DIY entgegensetzt.